Eine von 6 Millionen

Statistisch gesehen lebten im Jahr 2018 rund 42.053.000 Millionen Frauen in Deutschland. Einige davon hatte ich im Laufe meines Lebens davon auch kennen gelernt, darunter etliche, deren Treffen ich im Nachhinein nachhaltig bereut habe. Legen wir nun einmal die 2018 altersmäßig zu mir passende Gruppe von 50 bis 59 zu Grunde, so bleiben von den 42 Millionen Damen gerade einmal noch 6 Millionen übrig. Stellen wir uns weiter hypothetisch vor, ich hätte die Chance gehabt, mit jeder der 6 Millionen Damen nur fünf Minuten Zeit zu verbringen, so würde alleine dies schon rein rechnerisch etwa 5,7 Jahre dauern. Darin sind An- und Abreise sowie Vorbereitungszeit (die ja wie ich aus eigener Erfahrung weiß gerade bei Männern dieser Altersgruppe mit den Jahren proportional zunimmt) noch gar nicht enthalten. Rein statistisch gesehen standen die Chancen, die richtige für mich zu finden, also eher gegen mich. Aber wie schon meine Urgroßmutter immer so passend sagte: „Auch ein blindes Huhn findet manchmal ein Korn“. Und so kann ich mit großer Freude vermelden: Mein Korn hat heute Geburtstag!

Wie lange es dauert, so ein Korn zu finden, hat mir Uroma aber vorsichtshalber mal gar nicht erst gesagt. Und wie schwierig es ist, sich selber darüber klar zu werden, was für eine Art Korn man denn nun überhaupt gerne finden möchte, hat sie auch nicht erzählt. Schon im 19. Jarhundert kolportierte der englische Schrifsteller John Ruskin munter daher: „Die besten Frauen sind am schwersten kennenzulernen!“ Rückblickend kann ich allerdings sagen, dass mein Mädchen Sibille, von den meisten liebevoll „Bille“ genannt, gar nicht so schwer zu finden war, denn eines Tages stand sie ganz einfach neben mir. Nur – denn das wäre ja wieder einmal viel zu einfach gewesen – wusste ich Blindfisch damals noch nicht, dass aus Ihr einmal MEINE Bille werden sollte.

Ich bin eben schwer von Begriff. Noch dazu waren sowohl Bille als auch ich verheiratet, als wir uns kennen lernten – und eigentlich waren wir ja auch nur Freunde. Dachte ich. Bille sah die Sache aber offensichtlich klarer als ich und trennte sich kurz nach unserem Kennenlernen von ihrem Mann. Bei mir allerdings sollte diese Erkenntnis noch einige Zeit auf sich warten lassen. Und so schlichen wir jahrelang umeinander herum und hatten so etwas wie ein Dauerverhältnis. Nein, eigentlich war es ja nur ich, der ein Verhältnis hatte, denn ich war ja noch nicht getrennt. Aber irgendwie kam dann doch alles so, wie es kommen musste. Ich verbrachte mehr Zeit mit Bille, als mit irgendjemand anderem aus meinem Umfeld und genoss die Zeit mit ihr immer mehr. Wir waren ja nur Freunde, aber verdammt enge, das musste ich mir schon eingestehen.Jeder andere – inklusive meiner damaligen Frau – wusste längst, was wir beide offiziell vehement abstritten: Wir waren ein Paar. Ein ziemlich gutes sogar.

Die Jahre gingen ins Land – und trotz aller widrigen Umstände blieb Bille bei der Stange. Gerne erinnere ich mich an den Abend, an dem mein Freund Les Watkins Bille und mich ganz unverblümt fragte, warum wir eigentlich nicht zusammen wären – wir würden doch so gut zueinander passen. Beide konnten wir uns in diesem Moment das Lachen nicht verkneifen, gingen wir doch mittlerweile seit acht Jahren mehr oder weniger Hand in Hand durch die Welt. Dieser Abend war es vermutlich auch, an dem ich das erste mal laut sagte: „Ja, sie ist mein Mädchen“. Und siehe da, der Sturm der Entrüstung hielt sich in Grenzen, war doch mit diesem Satz nur endlich das ausgesprochen, was ohnehin schon alle wussten. Und als wir später irgendwann verkündeten, dass wir beide nun heiraten werden, war vermutlich die beste Reaktion darauf die unseres Kumpels Stefan Ackermann: „Na das macht ja Sinn, ihr hängt ja ohnehin ständig aufeinander“. Tatsächlich, das taten wir auch. Und es wurde nicht langweilig, ganz im Gegenteil. Wir redeten nächtelang über Gott und die Welt und wuchsen dabei in einer Art und Weise zusammen, die ich mir nicht hätte träumen lassen. Bille zu heiraten war also eine logische Konsequenz, weswegen ich dies auch nicht nur einmal, sondern zur Sicherheit gleich dreimal tat. Nicht, dass sie es sich am Ende noch einmal überlegt. Und so wurden wir nicht nur durch unseren Bürgermeister Tobias Stockhoff getraut, sondern gaben uns ein weiteres mal am Strand von Miami Beach das Jawort. Und damit das auch wirklich, wirklich alles wasserdicht ist, heirateten wir beide ein drittes mal in Amsterdam. Und wie ich mein Mädchen kenne, war dies nicht unsere letzte Hochzeit.

Heute also hat meine Bille Geburtstag. Wie alt sie genau wird, vergesse ich immer wieder, deswegen haben wir als kleine Gedächtnisstütze unsere Geburtsjahre auf dem Nummernschild ihres Autos verewigt. Und in der nächsten Woche feiern wir beide unseren zweiten Hochzeitstag. Höchste Zeit, ihr auch auf diesem Wege einmal zu sagen, wie sehr ich sie liebe. Heute mehr als gestern und weniger als morgen. Denn wenn eines auf der Welt sicher ist, dann diese eine Tatsache: Mein Mädchen hat ein goldenes Herz. Und das braucht sie auch, um es mit einem Kerl wie mir auszuhalten.

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Komponist: André R. Kohl
Texter: André R. Kohl

Mir ist klar, dass ich nicht grad‘ einfach bin
was ich tu hat nicht immer einen Sinn
und nicht immer läuft alles unbedingt gut für mich

ich war nie wirklich gut im alleine sein
ließ mich auch viel zu oft auf die Falsche ein
hab’s meist nicht mal gemerkt, aber dann traf ich endlich dich

Jeder Tag ist ein besond’rer Tag
und dass ich das so mag
hat seinen Grund
Meine Welt dreht sich um deine Welt
ist auf den Kopf gestellt
und endlich bunt

Du hast ein goldenes Herz
und eine silberne Seele
und ich will das du weißt, wie oft ich an dich denk‘
Du hast ein goldenes Herz
siehst immer wenn ich mich quäle
und ich bin ganz ganz sicher, ihr seid mein Geschenk
du und dein goldenes Herz

Ich hab nie gerne lange diskutiert
weil ich weiß, dass das meistens zu nichts führt
leider bleibt man dabei gar nicht selten im Regen steh’n

Jeden Tag mit dem Rücken an der Wand
und am Schluss völlig leer und ausgebrannt
dabei musste man mir nur ein Stückchen entgegen geh’n

Jedes Mal gefühlte zweite Wahl
man leidet Höllenqual
und schreibt sich ab
Aber dann fängt was ganz neues an
Ich glaub‘ ganz fest daran
seit ich dich hab‘

Du hast ein goldenes Herz
und deine Augen sind Sterne
und manchmal strahlst du so, dass ich mich fast verbrenn‘
Du hast ein goldenes Herz
und deshalb sag‘ ich dir gerne
dass ich erst wirklich gücklich bin seit ich dich kenn‘

Du hast ein goldenes Herz
du heilst geschlagene Wunden
und manchmal frag‘ ich mich wie machst du denn das bloß
Du hast ein goldenes Herz
ich hab‘ dich endlich gefunden
und ich lass euch beide nie, nie wieder los
dich und dein goldenes Herz

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