Veränderungen

Im Jahr 1883 veröffentlichte der Deutsche Schriftsteller Theodor Fontane einen Roman mit dem Titel „Graf Petöfy“. In diesem Roman erzählt Fontane die Geschichte der Beziehung zwischen einem alten katholischen Grafen aus Ungarn und einer jungen protestantischen Schauspielerin. Selbstredend eine Bürgerliche, sonst wäre es ja kaum erwähnenswert. Und natürlich geht diese Beziehung irgendwann gehörig den Bach herunter, ein Schicksal, das leider vielen Beziehungen zu Eigen ist.

Doch um diese Beiden geht es in diesem Beitrag nicht, vielmehr möchte ich einen einzigen Satz aus diesem Roman nennen, der wie die viel zitierte Faust auf’s Auge in diese Einleitung passt: „Wir kennen uns nie ganz, und über Nacht sind wir andere geworden, schlechter oder besser.“ Und nicht nur der regelmäßige Leser meines kleinen Blogs ahnt es sicher schon: Es ist mal wieder einiges passiert in den letzten Monaten.

Ganze fünf Monate hat es gedauert, bis ich mich hier wieder einmal zu Wort melde. Es war schlicht nicht genügend Zeit dafür, mich irgendwie mit neuen (oder alten) Songs zu beschäftigen, denn es hat in sich meinem Leben eine einschneidende Veränderung ergeben, die meine ganze Kraft und Energie, die ich neben meiner Arbeit noch übrig hatte,  wie ein loderndes Feuer aufgezehrt hat. Um es kurz zu machen: Ich lebe wieder alleine. Nach über 15 Jahren meiner Beziehung zu Gudrun bin ich aus unserer gemeinsamen Wohnung aus und in eine schuhschachtelgroße Singlewohnung eingezogen. Die Gründe hierfür möchte ich nicht wirklich ausführen, denn dazu müsste ich so viele Details aus den vergangenen Jahren preisgeben, die mir nicht unbedingt zur Ehre gereichen. Mehr als ich es sonst hier zu tun pflege auf jeden Fall. Doch auch um meine Ehe geht es in diesem Beitrag nicht, sondern vielmehr um das, was dieser Auszug mit sich brachte: eine Veränderung. Und Hand auf’s Herz – Ich mag Veränderungen nicht mehr besonders, eine Tatsache, die mich selbst am meisten verwundert.

Es ist für mich absolut erstaunlich, wie sehr ich mich in meinem bisherigen Leben eingerichtet hatte. Ich war in meiner kleinen Wohlfühlzone so sehr verwurzelt, dass es mir nicht einmal auffiel, wie müde und träge ich geworden war. Und wie lebensuntüchtig. Tage reihten sich aneinander, wurden zu Monaten und Jahren und ehe man sich versieht, ist man Fünfzig, hat ipso facto also den Zenith seines Lebens schleichend und unwiderruflich überschritten. Und nun? Was kommt da noch, außer den immer deutlicher werdenden Alterserscheinungen, den Zipperlein hier und den Schwächen da? Macht es überhaupt Sinn, etwas zu verändern, oder ergibt man sich in das scheinbar unvermeidliche, die Tatsache ignorierend, dass man nicht besonders glücklich ist?

Hier passt, wie ich finde, noch ein weiteres Zitat perfekt. Es stammt von Georg Christoph Lichtenberg, der allgemein als Begründer des deutschsprachigen Aphorismus gilt: „Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“ Oder um auf Herrn Fontane zurück zu kommen: Ich habe mich verändert, ganz eindeutig. Nicht unbedingt über Nacht, dafür aber nachhaltig. Und ob ich nun besser oder schlechter geworden bin, vermag ich nicht mal selber zu beurteilen. Die Zeit wird es zeigen.

Und so mühe ich mich nun mit all den alltäglichen Dingen, die ich nie habe lernen müssen. Alleine meine erste Begegnung mit meiner Waschmaschine wäre einen eigenen Beitrag wert. Bügeln kann ich immer noch nicht, ich stehe auf Kriegsfuß mit der Putzerei und die Renovierung meiner Wohnung verlief aufgrund eher spärlich vorhandenen handwerklichen Fähigkeiten auch eher sagen wir einmal suboptimal. Aber ich lebe. Und langsam, ganz langsam, kehrt wieder so etwas ähnliches wie Normalität in dieses Leben ein. Eine Tatsache ist auf jeden Fall bemerkenswert: Ich bin wieder sehr kreativ. Wo es noch vor einigen Monaten schien, als wäre ich kaum noch des Schreibens fähig, fließen heute die Worte wieder fast wie von selbst aus meiner Feder.  Ist dies der Veränderung geschuldet? Möglicherweise. Ist es besser geworden? Keine Frage.

Der Song, den ich euch heute vorstellen will, und den ich vor einigen Wochen innerhalb von nur kurzer Zeit zusammengelötet habe, hat unterschwellig genau das zum Thema. Genau das. Und die Tatsache, dass man sich in Zeiten der Veränderung glücklich schätzen kann, wenn es Menschen gibt, die dir sagen: „Ich steh‘ hinter dir“. Allen diesen Menschen, die dies für mich tun, möchte ich an dieser Stelle auf das Herzlichste danken. Und wenn ihr wollt, ist dieses Lied dann nur für euch …

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Komponist: André R. Kohl
Texter: André R. Kohl

Kein anderer lebt für dich dein Leben
kein anderer fühlt, was du grad fühlst
kein anderer wird dir jemals geben
was du nicht selber wirklich willst
Niemand anderer sieht dir direkt ins Herz
schiebt die Wolken weg und fühlt mit dir den
Schmerz

Welchen Weg du auch wählst
womit auch immer du dich quälst
du kannst sicher sein
auf die Nacht folgt neuer Morgen
Was auch immer passiert
wohin dich der Weg auch führt
ich steh‘ hinter dir
und wenn du willst ist dieses Lied
dann nur für dich

Kein anderer wird dich je erkennen
wenn du dich selber nur vergisst
und keiner wird je für dich brennen
wenn du nicht selbst der Funke bist
Niemand anderer entscheidet sich für dich
wenn du dich selbst nicht liebst

Welchen Weg du auch wählst
womit auch immer du dich quälst
du kannst sicher sein
auf die Nacht folgt neuer Morgen
Was auch immer passiert
wohin dich der Weg auch führt
ich steh‘ hinter dir
und wenn du willst ist dieses Lied
dann nur für dich

Du bist nicht allein, ich geh‘ ein Stückchen mit
auch wenn du das gerad‘ nicht fühlst
Auch der längste Weg beginnt mit einem Schritt
Was immer du auch tust
wohin immer du auch willst

Welchen Weg du auch wählst
womit auch immer du dich quälst
du kannst sicher sein
auf die Nacht folgt neuer Morgen,

neuer Morgen

Welchen Weg du auch wählst
womit auch immer du dich quälst
du kannst sicher sein
auf die Nacht folgt neuer Morgen
Was auch immer passiert
wohin dich der Weg auch führt
ich steh‘ hinter dir
und wenn du willst ist dieses Lied
dann nur für dich
nur für dich

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2 Kommentare zu “Veränderungen”

  1. Hallo André, nach längerer Abstinenz habe ich heute mal wieder Deinen Blog aufgesucht und was ich unter der Rubrik „Veränderungen“ lesen musste, hat mich gerade nicht sehr erfreut. Aber Du hast im Grunde genommen Recht: Viele gemeinsame Jahre in einer Beziehung, eigentlich egal welcher Art, bringen eine gewisse Gleichförmigkeit in unser Leben. Man möchte was verändern aber die eingefahrenen Spuren sind schon so tief, dass man da nur schlecht herauskommt. Da hilft dann wirklich oft nur ein Radikalschnitt, den die meisten Menschen aber letztlich doch scheuen, obwohl sie wissen, dass sie ihr eigenes Leben leben sollten und nicht das der Anderen, auch wenn es sich um Familie, Verwandtschaft oder Freunde handelt. Ich gehöre auch zu dieser Spezies und schaue irgendwie aber doch zu den Menschen auf, die einen Neuanfang wagen. Ich wünsche Dir viel Glück bei der Suche nach Dir selbst. Liebe Grüße Rolf

  2. Lieber Rolf,
    ich danke dir sehr für deine lieben Worte, besonders aber für die Wertschätzung, die dahinter liegt. Es wird sich bei passender Gelegenheit sicher ein Augenblick finden, in dem wir uns von Angesicht zu Angesicht darüber unterhalten können. Es ist ja bald wieder Saison 😉

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